Fränkischer Kabarettpreis

Arnstein

Fränkischer Kabarettpreis 2019

2. Vorrunde am Mittwoch, 15.05.2019

Moderation: Oti Schmelzer

Einlass: 18:30 Uhr - Beginn: 19:30 Uhr

In dieser Kabarett-Runde treten folgende Künstler gegeneinander an:


Zeha Schmidtke

„Hinreißend, von vitalem Wahn erleuchtet.“ – „Träume von den möglichen Freuden dieser Welt.“ – „Sprengt die Grenzen des gewohnten
Kabaretts, und das äußerst unterhaltsam.“
All das schrieb man bereits über Zeha Schmidtke.
Er selbst hat keine Ahnung und wundert sich bloß.
Dass wir meinen, recht helle zu sein, nur weil da neuerdings die trübe Funzel unseres Displays die Finsternis erhellt.
Als wären der Mensch und seine Taten bei Licht besehen konstant. Die fickrigen Karnickel auf Youporn kommen immer. Der Großflughafen Berlin kommt nie. Das sind alles wir. It is all human.
Allein beim Lesen dieses Textes sterben in Dir alte Zellen ab und bilden sich neue. So auch Hoffnungen, Meinungen, Stimmungen.
Wenn dann noch wer dazukommt, ist erst recht was los. Einer reibt sich am anderen. Der andere reibt zurück. Und Jeder und Jede ist so frei, nach eigenem Gusto mitzutun.
Nur – frei von was? Freiheit ist ja Möglichkeit, kein Inhalt. Wenn einer also frei und doof ist, wird er seine Freiheit womöglich doofestmöglich nutzen:
Damit, die der anderen zu begrenzen. Weil: Wir sind ja eigentlich ganz vernünftig. Die Welt und wir, da ginge was. Wenn nur der andere nicht wär, vermaledeit. Der kann doch gar nicht damit umgehen, wenn man ihm die Wahl lässt.
Denn der Andere, diese Arschgeige, die Bad Bank menschlicher Charakterzüge, das ist man niemals selbst. Sonst hieß er ja der Selbe.
So pfeifen es die Pfeifen von den Dächern, krakeelen es die Übelkrähen von ihren Bühnen, steht es geschrieben in der Doofipedia der Welt.
Kann man nur hoffen und, so weit es irgend geht, vorsorgen, dass die freien doofen Radikalen nie die Übermacht ergreifen.
Denn es hat entweder ähnliche Chancen für uns alle ohne andere. Oder es herrscht auf Dauer eine Scheißwut in der Welt. Und zurecht, Amen und Prost, der Letzte macht das Licht aus.
So spricht Zeha Schmidtke, Kunstzwerk unter Kleinkunzen, friedvoller Universaldiot inmitten all der dekorativen Pfiffigkeit. Er meint es ernst, muss dabei aber immer lachen.


Inka MeyerFoto: Birgit Hart

Inka Meyer

Ein hochkomisches Plädoyer gegen den Wahnsinn der Schönheitsindustrie und für eine entspannte Weiblichkeit

Die Botschaft der Mode- und Kosmetikbranche ist klar: „Frauen, ihr lauft aus, werdet alt, seid zu fett und habt zu viele Haare.“ Um diesem Makel zu entgehen, klatschen sich schon Grundschülerinnen so viel Wimperntusche ins Gesicht, dass sie an der Schulbank sitzend vornüberkippen. Und der achtzigjährige Senior führt seine kanariengelbe Hippie-Jeans spazieren, dass man sich fragt: „Hat der Mann einen Schlag oder einen Anfall?“ Ist doch wahr. Vieles, was wir tragen, ist untragbar, erschreckt nur die Katze und regt die Nierenfunktion des Hundes an.

Das alles wird von den Modekonzernen gestickt eingefädelt, damit sich ihre Gucci-Taschen mit unserer Kohle füllen. Die Chemie in den Schuhen macht uns krank, durch die Ananas-Diät sind wir ungenießbar. Aber mit dem Weizengras-Smoothie in der Hand hetzen wir weiter jedem Beauty-Trend hinterher. Und am Ende sind wir schön. Schön blöd. Doch wenn wir an die neunjährige Näherin in Bangladesch denken, dann sollten wir eigentlich gar nicht mehr in den Spiegel schauen.

„Der Teufel trägt Parka“ – das neue Kabarettprogramm von Inka Meyer: witzig, relevant und brillant recherchiert. Und dieses satirische Schmuckstück begeistert natürlich auch die Herren der Schöpfung. Denn für die Männer gilt genauso: „Schlägt der Arsch auch Falten, wir bleiben stets die Alten.“ Außerdem wird hier endlich Adams uralte Frage geklärt: „Was treibt diese Frau eigentlich so lange im Bad?“

Schwarzwälder Bote: »Es war nicht nur die interessante Thematik, sondern auch die witzige, oft freche und rhetorisch geschliffene Sprache sowie ihr überzeugendes, schauspielerisch-komödiantisches Können, das die Besucher restlos begeisterte und immer wieder auf offener Szene applaudieren ließ.«

Süddeutsche Zeitung:
»Meyers Humor könnte demokratischer nicht sein: Er nimmt beide Geschlechter gleichermaßen aufs Korn und erzeugt dadurch eine Dynamik im Publikum, die sich durch den Abend zieht. Mal lacht die eine Hälfte mehr, mal die andere.«

Barmstedter Zeitung:
»Deftig und süffisant, dabei authentisch zu sein, sowie Tatsachen auszusprechen, ohne den Zeigefinder zu erheben – das gelang Meyer bestens.«

Hamburger Abendblatt:
»Die Atmosphäre in der Kulturschusterei ähnelte einem höchstvergnüglichen Mädelsabend mit Wein und Witz.«

Die Rheinpfalz:
»Inka Meyer findet spielerisch eine Balance zwischen Situationskomik, amüsanter Selbstreflexion und Gesellschaftskritik. Werbeversprechen in Hochglanzbroschüren entlarvt sie genauso wie modische Erwartungshaltungen.«



Tom Ehrlich

Nach zwanzig erlebnisreichen Jahren als Ingenieur und IT-Spezialist in der deutschen Industrie beschloss Tom 2011 zum Kabarett zu wechseln.

Sein zweites Soloprogramm trägt den Titel:
Uns geht's doch gut, oder ? Natürlich geht's den Deutschen gut - aber nicht allen ! Die Reichen werden immer reicher, der Sparer bekommt keine Zinsen mehr und vielen droht die Altersarmut. Dazu gibt es eine Sendung mit der Maus zum Thema Altersvorsorge, ein NSA-Agent erklärt, wie man sich richtig verhält und Siggi von der AfD erzählt, wie er überraschend Abgeordneter wurde. Sie erfahren, warum es in Schweizer Städten keine Raser gibt, was ein Investor zur Paarungszeit macht und wie Mario Draghi die Sparer rasiert.

Auch die Tagespolitik kommt nicht zu kurz, ständig wechselnd mit den jeweils aktuellen Themen. Immer lustig, bissig und auf den Punkt gebracht. Außerdem Musik, selbstgetextet und von Otto Reutter.

Das ist abwechslungsreich und lustig, erfrischend anders, und es regt zum Nachdenken an.



Der Sonderpreis des Fördervereins Fränkischer Kabarettpreis e.V.

geht dieses Jahr an den bayerischen Kabarettisten Wolfgang Krebs.

Er wurde unter anderem bekannt durch die Parodien der letzten bayerischen Ministerpräsidenten wie Edmund Stoiber, Horst Seehofer und jetzt Markus Söder in dem Satiremagazin „QUER“ des Bayerischen Rundfunks mit Christoph Süß.

Die Laudatio hält der Moderator und Fränkische Kabarettist Otti Schmelzer.